Bender UNIMET 1000 ST — teardown & reverse engineering

Repair and reverse-engineering notes for the Bender UNIMET 1000 ST / 1100 ST medical electrical safety tester (IEC 62353, VDE 0751): BIOS dump, RS-232 command set, I2C relay matrix, F8680 PC/CHIP connector pinouts.

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Arbeitsstand — abgeschlossen 2026-07-31

🔚 Abschließende Deutung: Das Gerät wurde umgebaut, nicht ausgeschlachtet

Es gibt an mehreren Stellen gezielt gefräste Leiterbahnunterbrechungen — unter einer Widerstandsgruppe an zwei Punkten, und auf der Verteilerplatine wurde der V24-Teil (RS-232) auf dieselbe Weise stillgelegt.

Wer Teile stiehlt, lötet aus oder knipst ab. Wer mit dem Fräser an definierten Punkten auftrennt, verändert eine Funktion mit Absicht und Sorgfalt.

Zusammen mit dem Rückwandaufkleber ergibt das ein stimmiges Bild:

Datensichtgerät für RS 485 Schnittstelle — Bender SCPI Protokoll

Der Aufkleber beschreibt nicht, was das Gerät war, sondern wozu es umgebaut wurde: ein Anzeigeterminal für einen Bender-RS-485-Bus.

Beobachtung Passt zum Umbau
Messkarte ausgebaut ein Anzeigegerät misst nicht
Centronics und ein Sub-D-9 an der Rückwand entfernt nicht mehr gebraucht
V24-Teil weggefräst RS-232 abgeschaltet, RS-485 bleibt
Widerstandsgruppe aufgetrennt weitere stillgelegte Funktion
Patientenbuchsen unbeschaltet für ein Terminal sinnlos
PCMCIA-Karte fehlt dort lag die Anzeigesoftware, nicht UNIMET.EXE

Konsequenz: disk_104 und UNIMET.EXE waren auf diesem Gerät zuletzt gar nicht mehr installiert. Die Suche danach hätte es nie in den Auslieferungszustand zurückversetzt. Der Vorbesitzer („PP3 Siersleben”) hat es als Anzeige an einer Bender-Anlage betrieben, nicht als Prüfgerät.

Das erklärt auch, warum nichts nach Gewalt aussah: Es wurde nichts kaputtgemacht, es wurde umgewidmet.


Wie dieses Dokument zu lesen ist

Es ist über zwei Tage gewachsen und chronologisch geschichtet. Der Kasten oben enthält die abschließende Deutung; darunter folgen die Befunde in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Wo eine frühere Annahme später widerlegt wurde, steht das als Nachtrag dabei statt sie zu tilgen — die Irrwege sind Teil des Ergebnisses.

Wer nur wissen will, was das Gerät ist und warum es nicht läuft, liest den Kasten oben und den Abschnitt „Die Messkarte fehlt”.

Erste Sichtprüfung am offenen Gerät (2026-07-30)

Ohne Befund: keine aufgeblähten Kondensatoren, keine Schmorspuren, kein Geruch.

Hardware — bestätigt am offenen Gerät

CPU-Modul — Aufdruck …ARDS-B170X4

Multi-I/O A104-MIO, VER: B

⚠️ Schlüsselbefund 2026-07-31: PCMCIA-Karte ist das Bootmedium

Auf der Rückseite des CPU-Moduls sind drei Bestückungsplätze leer:

Platz Bauform Deutung
U6, U7 DIP, 28 Pins, kein Typaufdruck offen — max. 64 KB je Baustein, siehe unten
U16 quadratisch, 11 Pads je Seite = PLCC-44 vermutlich Steuerlogik/PLD

Zur Arithmetik: Ein 28-poliger Speicherplatz fasst in dieser Ära höchstens 64 KB (27C512, 28F512, 62512). Zwei davon ergeben 128 KB — nicht die 512 kByte aus dem BIOS-String. U6/U7 sind also nicht der dort genannte Flash.

Bessere Lesart des BIOS-Strings 512 kByte Flash ab 2 MB: Er beschreibt die PCMCIA-Karte selbst — eine 512-kByte-Flash-Karte, vom F8680 über sein Speicherkartenfenster ab Adresse 2 MB eingeblendet.

Konsequenz: Das Bootmedium dieses Geräts ist die PCMCIA-Karte. Damit erklärt sich alles widerspruchsfrei — Diskette A: = PCMCIA war die einzig mögliche Einstellung, die Karte fehlt, also kein Bootmedium, Rückfall auf A:, Diskette error. Der BIOS-String benennt das fehlende Teil sogar samt Größe.

U6/U7/U16 bleiben eine nicht gelieferte Ausbaustufe unbekannten Zwecks — denkbar SRAM (62256) für eine gepufferte RAM-Disk oder EPROM-Erweiterung. Zu prüfen: Führen Pads von U16 zu U6/U7? Dann gehören sie zusammen.

Und weiter: Auf der Karte lag nicht nur die Datenbank, sondern das komplette System — MS-DOS 5.0 und UNIMET.EXE. Deshalb spricht das Handbuch beim 1000ST vom „PCMCIA-Laufwerk”, und deshalb bekam es beim Update das Verzeichnis disk_104 aufgespielt.

Ohne Karte hat die Maschine keine Software. Rechner, BIOS und vermutlich auch das Messteil sind in Ordnung — es fehlt buchstäblich die Festplatte.

Damit rückt disk_104 von „wäre schön” auf „ist der Kern der Sache”.

Zu prüfen: Führen Pads von U16 zu U6/U7? Dann gehören sie als Options-Gruppe zusammen. Führen sie stattdessen zum PCMCIA-Steckplatz, wäre U16 eher ein Kartenpuffer.

Rückseite desselben CPU-Moduls — nicht etwa eine eigene Platine

Das Modul trägt also F8680-Seite und PCMCIA-Seite auf einer Platine — beide Fotos zeigen dieselbe Baugruppe B170X4.

Weitere Baugruppen

Stecker am unteren Rand des CPU-Moduls: ca. 26-, 20- und 14-polig. Der 14-polige geht zur Relaisplatine.

Netzteil, Batterie: nicht identifiziert. Batterie bislang nicht gefunden — irrelevant, da der F8680 seine Konfiguration im EEPROM hält und das BIOS bei leerer Batterie eine eigene Meldung ausgäbe (System battery is dead), die nicht erscheint.

Frontblende — Tastatursituation

⛔ Schlüsselbefund 2026-07-31: Die Messkarte fehlt

Das Gerät kann in diesem Zustand nicht messen — unabhängig von jeder Software.

Nach vollständiger Durchsicht aller Baugruppen ist keine Messkette vorhanden: keine Operationsverstärker, keine Spannungsreferenz, kein A/D- oder V/F-Wandler, keine Abgleichtrimmer. Weder auf der Bestückungs- noch auf der Lötseite irgendeiner Platine.

Der Beweis: Die Messleitungen der Prüfsonde führen von der Frontplatte direkt auf einen Messkarten-Anschluss, der unbelegt ist.

Vollständige Baugruppenbilanz

Baugruppe Funktion Messfähigkeit
CPU-Modul B170X4 F8680-Rechner —
A104-MIO Schnittstellen —
Relaisplatine Schaltmatrix, Treiber, Trafo, LTC485 —
Verteilerplatine Displayversorgung, galvanische Trennung —
Schaltnetzteil Versorgung —
Messkarte FEHLT —

Weitere Hinweise auf eine sparsame Grundkonfiguration

Umfang des Verlusts — präzisiert 2026-07-31

Weitere Messungen zeigen: Die fehlende Karte trug mehr als nur die Messkette.

Auf der Karte saßen also: Netzschaltung (L, N, Phasenlage, Netzleiter-Unterbrechung), die vollständige Messkette (Verstärker, Referenz, Wandler), die Ansteuerung der 500-V-Erzeugung und der Durchlauf des I²C-Bus.

Das war die Hauptbaugruppe des Geräts. Die elf Relais auf der Relaisplatine schalten den Rest: Messpfade, Sondenanbindung und die zehn Patientenbuchsen, die bei diesem Gerät ohnehin nicht bestückt sind.

Was bleibt, ist ein Gehäuse mit Rechner, Anzeige und Hilfsplatine.

Konsequenz für das Projekt

Es fehlen zwei Dinge, nicht eines:

  1. Das Bootmedium — PCMCIA-Karte mit DOS und UNIMET.EXE bzw. disk_104
  2. Die Messkarte — Bender-Spezialanfertigung, kein Standardteil, keine bekannte Bezugsquelle

Punkt 2 ist die härtere Nuss. Realistische Wege: ein vollständiges Zweitgerät als Teilespender, oder das Gerät als Plattform nutzen — Gehäuse, Frontplatte, Relaismatrix, Trafo und Netzteil sind vorhanden und verstanden, die Relaisansteuerung über I²C ist dokumentiert. Ein eigener Messkopf plus eigener Controller wäre technisch schlüssig.

Noch zu dokumentieren

Der Blocker (Bootmedium)

F2 fürs BIOS-Setup lässt sich nicht auslösen. Keine Fronttaste bewirkt etwas — auch nicht bei laufender Diskette error - Press any key-Schleife.

✅ BESTÄTIGT am 2026-07-31: klemmende Taste

Test: Frontmatrix-Stecker abgezogen, eingeschaltet. Ergebnis: Die Meldung erscheint einmal und das BIOS wartet auf eine Taste.

Damit ist die Ursache eindeutig: eine dauerhaft geschlossene Matrixposition in der Frontblende quittierte jedes „Press any key” sofort. Folgen: gestapelte Fehlermeldung, weggeklicktes Press <F2> to Setup-Fenster, wirkungslose Tastendrücke.

Die BIOS-Tastatureingabe selbst funktioniert einwandfrei.

Der klemmende Kontakt ist ein echter Defekt (verklebte Folientaste, gequetschte Ader, Korrosion) und muss vor dem Normalbetrieb behoben werden. Für die Inbetriebnahme reicht der abgezogene Stecker.

Ursprüngliche Hypothese (jetzt bestätigt)

Auf dem Bootfoto steht Diskette error - Press any key rund zwölfmal untereinander. Bei einem BIOS, das auf eine Taste wartet, dürfte die Meldung genau einmal erscheinen. Dass sie sich stapelt, deutet darauf hin, dass etwas sie fortlaufend quittiert — etwa eine dauerhaft geschlossene Matrixposition. Das würde auch erklären, warum eigene Tastendrücke wirkungslos bleiben und warum das Press <F2> to Setup-Fenster nie stehen bleibt.

Nächste Schritte, in dieser Reihenfolge

  1. Einschalttest mit abgezogenem Frontmatrix-Stecker. Erscheint die Meldung jetzt einmal und bleibt stehen → klemmende Taste bestätigt. Stapelt sie sich weiter → Frontblende unschuldig.
  2. Gegenstück kartieren (Gerät aus): Durchgangsprüfer an den abgezogenen Stecker, jede der acht Fronttasten drücken, notieren welche zwei Positionen schließen. → acht Ankerpunkte im Raster.
  3. Stiftleiste mitschneiden (Logic Analyzer, 26 Kanäle): Welche Leitungen werden reihum gepulst → Zeilen. Welche nur gelesen → Spalten. → Matrixgeometrie vollständig, inklusive unbeschalteter Positionen.
  4. Tasten gezielt erzeugen: Zeile↔Spalte brücken. Damit F2 ins Setup. ⚠️ Niemals Zeile↔Zeile oder Spalte↔Spalte brücken — getriebene Ausgänge gegeneinander.
  5. Im Setup (F2, Bedienung siehe EPROM_ANALYSE.md): Diskette A: → PCMCIA, Base Memory: → 640 KB, dann F10.
  6. Falls das nicht bootet: Diskettenlaufwerk oder Gotek an den 34-poligen Stecker der A104-MIO, Diskette A: → 3.5 Inch, 1.44 MB, DOS von Diskette booten. Stromversorgung ~5 V nötig (Gotek ≈ 0,2 A, echtes Laufwerk ≈ 1 A).

Rückfallebenen

Werkzeuge, die zur Verfügung stehen

XGecu T48 Programmiergerät · Logic Analyzer · Multimeter

Langfristig

Der 14-polige Strang zur Relaisplatine ist der ideale Messpunkt, um die Registerbelegung der Messhardware zu rekonstruieren — vollständig erfassbar, und mit den 427 dokumentierten Prüfschritten sowie dem SCPI-Befehlssatz lassen sich einzelne Schaltzustände gezielt auslösen und mitschneiden. Setzt ein bootendes Gerät voraus.