Repair and reverse-engineering notes for the Bender UNIMET 1000 ST / 1100 ST medical electrical safety tester (IEC 62353, VDE 0751): BIOS dump, RS-232 command set, I2C relay matrix, F8680 PC/CHIP connector pinouts.
🔚 Abschließende Deutung: Das Gerät wurde umgebaut, nicht ausgeschlachtet
Es gibt an mehreren Stellen gezielt gefräste Leiterbahnunterbrechungen — unter einer Widerstandsgruppe an zwei Punkten, und auf der Verteilerplatine wurde der V24-Teil (RS-232) auf dieselbe Weise stillgelegt.
Wer Teile stiehlt, lötet aus oder knipst ab. Wer mit dem Fräser an definierten Punkten auftrennt, verändert eine Funktion mit Absicht und Sorgfalt.
Zusammen mit dem Rückwandaufkleber ergibt das ein stimmiges Bild:
Datensichtgerät für RS 485 Schnittstelle — Bender SCPI Protokoll
Der Aufkleber beschreibt nicht, was das Gerät war, sondern wozu es umgebaut wurde: ein Anzeigeterminal für einen Bender-RS-485-Bus.
Beobachtung Passt zum Umbau Messkarte ausgebaut ein Anzeigegerät misst nicht Centronics und ein Sub-D-9 an der Rückwand entfernt nicht mehr gebraucht V24-Teil weggefräst RS-232 abgeschaltet, RS-485 bleibt Widerstandsgruppe aufgetrennt weitere stillgelegte Funktion Patientenbuchsen unbeschaltet für ein Terminal sinnlos PCMCIA-Karte fehlt dort lag die Anzeigesoftware, nicht UNIMET.EXEKonsequenz:
disk_104undUNIMET.EXEwaren auf diesem Gerät zuletzt gar nicht mehr installiert. Die Suche danach hätte es nie in den Auslieferungszustand zurückversetzt. Der Vorbesitzer („PP3 Siersleben”) hat es als Anzeige an einer Bender-Anlage betrieben, nicht als Prüfgerät.Das erklärt auch, warum nichts nach Gewalt aussah: Es wurde nichts kaputtgemacht, es wurde umgewidmet.
Es ist über zwei Tage gewachsen und chronologisch geschichtet. Der Kasten oben enthält die abschließende Deutung; darunter folgen die Befunde in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Wo eine frühere Annahme später widerlegt wurde, steht das als Nachtrag dabei statt sie zu tilgen — die Irrwege sind Teil des Ergebnisses.
Wer nur wissen will, was das Gerät ist und warum es nicht läuft, liest den Kasten oben und den Abschnitt „Die Messkarte fehlt”.
Ohne Befund: keine aufgeblähten Kondensatoren, keine Schmorspuren, kein Geruch.
CPU-Modul — Aufdruck …ARDS-B170X4
TM1478A, Datumscode 9444, 14 MHz
→ 8086-/XT-klassiger Ein-Chip-PC, kein 386SX, kein Kontron MOPS424800-70 DRAM (zusammen 1 MB, davon 640 K konventionell)D43256AGU-10L SRAM · LT1137ACG RS-232-TransceiverICD2027SC-1 Taktgeber, Quarz 14,318 MHz · MC34063AP1 SchaltreglerHCT244, HCT138, 14093BNM27C010Q, Keramik-DIP32, gesockelt, Etikett V: 0.91
→ ausgelesen und analysiert, siehe EPROM_ANALYSE.mdMulti-I/O A104-MIO, VER: B
UMC UM82C863F Super-I/O, PAL16L8ACN, Quarz 24,000 MHzGD75188/GD75189A/MC1488/SN75189Auf der Rückseite des CPU-Moduls sind drei Bestückungsplätze leer:
| Platz | Bauform | Deutung |
|---|---|---|
U6, U7 |
DIP, 28 Pins, kein Typaufdruck | offen — max. 64 KB je Baustein, siehe unten |
U16 |
quadratisch, 11 Pads je Seite = PLCC-44 | vermutlich Steuerlogik/PLD |
Zur Arithmetik: Ein 28-poliger Speicherplatz fasst in dieser Ära höchstens
64 KB (27C512, 28F512, 62512). Zwei davon ergeben 128 KB — nicht die
512 kByte aus dem BIOS-String. U6/U7 sind also nicht der dort genannte
Flash.
Bessere Lesart des BIOS-Strings 512 kByte Flash ab 2 MB: Er beschreibt
die PCMCIA-Karte selbst — eine 512-kByte-Flash-Karte, vom F8680 über sein
Speicherkartenfenster ab Adresse 2 MB eingeblendet.
Konsequenz: Das Bootmedium dieses Geräts ist die PCMCIA-Karte. Damit
erklärt sich alles widerspruchsfrei — Diskette A: = PCMCIA war die einzig
mögliche Einstellung, die Karte fehlt, also kein Bootmedium, Rückfall auf A:,
Diskette error. Der BIOS-String benennt das fehlende Teil sogar samt Größe.
U6/U7/U16 bleiben eine nicht gelieferte Ausbaustufe unbekannten Zwecks —
denkbar SRAM (62256) für eine gepufferte RAM-Disk oder EPROM-Erweiterung.
Zu prüfen: Führen Pads von U16 zu U6/U7? Dann gehören sie zusammen.
Und weiter: Auf der Karte lag nicht nur die Datenbank, sondern das
komplette System — MS-DOS 5.0 und UNIMET.EXE. Deshalb spricht das
Handbuch beim 1000ST vom „PCMCIA-Laufwerk”, und deshalb bekam es beim
Update das Verzeichnis disk_104 aufgespielt.
Ohne Karte hat die Maschine keine Software. Rechner, BIOS und vermutlich auch das Messteil sind in Ordnung — es fehlt buchstäblich die Festplatte.
Damit rückt disk_104 von „wäre schön” auf „ist der Kern der Sache”.
Zu prüfen: Führen Pads von U16 zu U6/U7? Dann gehören sie als
Options-Gruppe zusammen. Führen sie stattdessen zum PCMCIA-Steckplatz, wäre
U16 eher ein Kartenpuffer.
Rückseite desselben CPU-Moduls — nicht etwa eine eigene Platine
JP1…JP26, 74HCT245, U6/U7 unbestücktDas Modul trägt also F8680-Seite und PCMCIA-Seite auf einer Platine — beide
Fotos zeigen dieselbe Baugruppe B170X4.
Weitere Baugruppen
TDK PCU-554, 74HCT14N,
NM232DD (Murata/Newport — die galvanische Trennung der RS-232)MESSTECHNIK.md 3.4a)Stecker am unteren Rand des CPU-Moduls: ca. 26-, 20- und 14-polig. Der 14-polige geht zur Relaisplatine.
Netzteil, Batterie: nicht identifiziert. Batterie bislang nicht gefunden —
irrelevant, da der F8680 seine Konfiguration im EEPROM hält und das BIOS bei
leerer Batterie eine eigene Meldung ausgäbe (System battery is dead), die
nicht erscheint.
KBCLK/KBDATA) bleibt
ungenutzt.Das Gerät kann in diesem Zustand nicht messen — unabhängig von jeder Software.
Nach vollständiger Durchsicht aller Baugruppen ist keine Messkette vorhanden: keine Operationsverstärker, keine Spannungsreferenz, kein A/D- oder V/F-Wandler, keine Abgleichtrimmer. Weder auf der Bestückungs- noch auf der Lötseite irgendeiner Platine.
Der Beweis: Die Messleitungen der Prüfsonde führen von der Frontplatte direkt auf einen Messkarten-Anschluss, der unbelegt ist.
| Baugruppe | Funktion | Messfähigkeit |
|---|---|---|
CPU-Modul B170X4 |
F8680-Rechner | — |
A104-MIO |
Schnittstellen | — |
| Relaisplatine | Schaltmatrix, Treiber, Trafo, LTC485 |
— |
| Verteilerplatine | Displayversorgung, galvanische Trennung | — |
| Schaltnetzteil | Versorgung | — |
| Messkarte | FEHLT | — |
U6, U7, U16 auf dem CPU-Modul unbestücktWeitere Messungen zeigen: Die fehlende Karte trug mehr als nur die Messkette.
Netzl. offen, 83
Schritte), Phasenlage tauschen (Phase rev., 112 Schritte) und Schutzleiter
unterbrechen (PE offen, 85 Schritte). Diese Netzschaltung saß folglich
auf der fehlenden Karte.PCF8574, obwohl die Bausteine versorgt sind und der Bus sauber auf 5 V
liegt. (Umgehung für Experimente: Bus Pirate direkt an Pin 14/15 eines
PCF8574 klemmen.)Auf der Karte saßen also: Netzschaltung (L, N, Phasenlage, Netzleiter-Unterbrechung), die vollständige Messkette (Verstärker, Referenz, Wandler), die Ansteuerung der 500-V-Erzeugung und der Durchlauf des I²C-Bus.
Das war die Hauptbaugruppe des Geräts. Die elf Relais auf der Relaisplatine schalten den Rest: Messpfade, Sondenanbindung und die zehn Patientenbuchsen, die bei diesem Gerät ohnehin nicht bestückt sind.
Was bleibt, ist ein Gehäuse mit Rechner, Anzeige und Hilfsplatine.
Es fehlen zwei Dinge, nicht eines:
UNIMET.EXE bzw. disk_104Punkt 2 ist die härtere Nuss. Realistische Wege: ein vollständiges Zweitgerät als Teilespender, oder das Gerät als Plattform nutzen — Gehäuse, Frontplatte, Relaismatrix, Trafo und Netzteil sind vorhanden und verstanden, die Relaisansteuerung über I²C ist dokumentiert. Ein eigener Messkopf plus eigener Controller wäre technisch schlüssig.
X…, Sachnummer, Kartenname)F2 fürs BIOS-Setup lässt sich nicht auslösen. Keine Fronttaste bewirkt
etwas — auch nicht bei laufender Diskette error - Press any key-Schleife.
Test: Frontmatrix-Stecker abgezogen, eingeschaltet. Ergebnis: Die Meldung erscheint einmal und das BIOS wartet auf eine Taste.
Damit ist die Ursache eindeutig: eine dauerhaft geschlossene Matrixposition
in der Frontblende quittierte jedes „Press any key” sofort. Folgen: gestapelte
Fehlermeldung, weggeklicktes Press <F2> to Setup-Fenster, wirkungslose
Tastendrücke.
Die BIOS-Tastatureingabe selbst funktioniert einwandfrei.
Der klemmende Kontakt ist ein echter Defekt (verklebte Folientaste, gequetschte Ader, Korrosion) und muss vor dem Normalbetrieb behoben werden. Für die Inbetriebnahme reicht der abgezogene Stecker.
Auf dem Bootfoto steht Diskette error - Press any key rund zwölfmal
untereinander. Bei einem BIOS, das auf eine Taste wartet, dürfte die Meldung
genau einmal erscheinen. Dass sie sich stapelt, deutet darauf hin, dass etwas
sie fortlaufend quittiert — etwa eine dauerhaft geschlossene Matrixposition.
Das würde auch erklären, warum eigene Tastendrücke wirkungslos bleiben und
warum das Press <F2> to Setup-Fenster nie stehen bleibt.
F2 ins Setup.
⚠️ Niemals Zeile↔Zeile oder Spalte↔Spalte brücken — getriebene Ausgänge
gegeneinander.F2, Bedienung siehe EPROM_ANALYSE.md):
Diskette A: → PCMCIA, Base Memory: → 640 KB, dann F10.Diskette A: → 3.5 Inch, 1.44 MB, DOS von Diskette
booten. Stromversorgung ~5 V nötig (Gotek ≈ 0,2 A, echtes Laufwerk ≈ 1 A).93C46/93C56/24Cxx nahe dem
F8680) und mit dem T48 auslesen. Leer/Müll würde die Diagnose beweisen;
langfristig ließe sich die Konfiguration direkt hineinschreiben.Diskette A: als
Werkseinstellung auf PCMCIA. Umgeht die Tastaturfrage vollständig.XGecu T48 Programmiergerät · Logic Analyzer · Multimeter
Der 14-polige Strang zur Relaisplatine ist der ideale Messpunkt, um die Registerbelegung der Messhardware zu rekonstruieren — vollständig erfassbar, und mit den 427 dokumentierten Prüfschritten sowie dem SCPI-Befehlssatz lassen sich einzelne Schaltzustände gezielt auslösen und mitschneiden. Setzt ein bootendes Gerät voraus.