Bender UNIMET 1000 ST — teardown & reverse engineering

Repair and reverse-engineering notes for the Bender UNIMET 1000 ST / 1100 ST medical electrical safety tester (IEC 62353, VDE 0751): BIOS dump, RS-232 command set, I2C relay matrix, F8680 PC/CHIP connector pinouts.

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Prüf- und Messtechnik des UNIMET 1000 ST

Was dieses Dokument enthält: die technischen Daten des Geräts aus den Herstellerunterlagen, die daraus und aus Messungen am offenen Gerät rekonstruierte Architektur, und eine Einschätzung, was davon nachbaubar wäre.

Reihenfolge: Abschnitte 1 bis 3.4 stammen aus der Auswertung der Herstellerunterlagen, bevor das Gerät verfügbar war. Ab 3.5 folgen Befunde vom geöffneten Gerät. Abschnitt 3.6 enthält frühere Vermutungen, die sich als falsch erwiesen haben — sie bleiben zur Nachvollziehbarkeit stehen.

Kernaussage: Das Messteil wurde über zwei getrennte Wege angesprochen — die Relaismatrix per I²C über die zweckentfremdeten Tastaturpins des Prozessors, die Messkarte per RS-485 über den UART. Die Messkarte selbst fehlt im untersuchten Gerät.

Ausgewertet aus docs/bender/Bedienungshandbuch_UNIMET_1000ST_1100ST_de.pdf und docs/bender/UNIMET_Interface_Handbuch_de.pdf (TGH1315/01.2006).

1. Was es gibt — und was nicht

Nicht öffentlich: Schaltpläne, Bestückungspläne, Serviceunterlagen des Messteils. Bender/BENTRON hat dazu nie etwas publiziert; Kalibrierung und Abgleich waren ausdrücklich dem Hersteller vorbehalten.

Öffentlich und brauchbar — überraschend viel:

  1. Vollständige technische Daten = die Spezifikation, gegen die man bauen würde.
  2. Die Fernsteuerbefehle der Relaismatrix im Interface-Handbuch. Weil jede Verschaltung über eine eigene Messnummer angesteuert wird, lässt sich die Schalttopologie aus der Befehlsliste rekonstruieren — ohne Schaltplan.

2. Technische Daten (Spezifikation)

Messgröße Wert
Schutzleiterwiderstand Prüfspannung max. 14 V Netzfrequenz; Kurzschlussstrom ca. 10 A (Standard) bzw. 25 A ±10 % im Bereich 0,001–0,3 Ω (25-A-Version); Bereich 0,001–29,999 Ω
Genauigkeit 0,001–0,2 Ω: ±0,02 Ω · 0,2–29,999 Ω: ±10 % v.M.
Ableit-/Ersatzableitströme (direkt) 0,001–19,999 mA; Prüfspannung ≈ Netzspannung/Netzfrequenz; max. Prüfstrom 3,5 mA
Genauigkeit bis 9,999 mA: ±5 % v.M. ±2 Digit · 10–19,999 mA: ±7 % ±2 Digit
Differenzstromverfahren 0,02–19,99 mA; ±5 % v.M. ±5 Digit
Patientenhilfsströme 0,001–19,99 mA; ±5 % v.M. ±2 Digit
Isolationswiderstand Prüfspannung ca. DC 500 V, max. Prüfstrom 2,5 mA; 0,01–299,99 MΩ; ±5 % v.M. ±2 Digit
Spannungsmessung 90–264 V, 50–60 Hz, ±2,5 % ±2 Digit
Laststrommessung 0,005–16 A, ±2,5 % ±3 Digit
Scheinleistung 0,005–3,8 kVA, ±5 % ±5 Digit
Versorgung 90–264 V AC, 45–65 Hz, max. 40 VA Eigenverbrauch
Prüflingslast max. 16 A / 3800 VA bei 230 V
Sonstiges Schutzklasse I, IP20, 0…+50 °C, ca. 380×400×135 mm, ca. 10 kg
Kalibrierintervall 24 Monate (Handbuch) bzw. 36 Monate (Bender-Blog, neuere Angabe)

3. Rekonstruierte Schalttopologie der Patientenmatrix

Aus Interface-Handbuch Kap. 5.3. Verschaltung erfolgt per :SYS:CTRL <Messnummer>.

Einzelne Patientenbuchse an den Messkreis (Patientenableitstrom, auch mit Netzspannung am Anwendungsteil):

PAT1 … PAT10  →  #1161 … #1170

Patientenhilfsströme — je eine Buchse gegen alle übrigen („REST”):

PAT1/REST … PAT10/REST  →  #1141 … #1150

Gruppenkurzschluss zusammenhängender Buchsen (Typ B / BF, alle Buchsen eines Anwendungsteils werden zusammengeschaltet):

PAT 1+2        #1712      PAT 2+3        #1723      PAT 3+4     #1734
PAT 1+2+3      #1713      PAT 2+3+4      #1724      …
…                         …
PAT 1+…+10     #1720      PAT 2+…+10     #1730      PAT 9+10    #1799

Systematik: #17<start><ende> für den zusammenhängenden Bereich. (Im PDF sind zwei Einträge fehlerhaft — PAT 6+7+8+9+10 steht als #1760 doppelt, und die letzte Tabelle ist im Satz verrutscht.)

Daraus folgt für die Hardware:

3.1 Auswertung der 427 Prüfschritte

Aus research/RS232_PROTOKOLL.md ausgezählt. Jede Zeile ist ein Schaltzustand, den die Hardware herstellen können muss — die Häufigkeit zeigt, wie zentral die jeweilige Schaltdimension ist.

Schaltdimension Prüfschritte
Anwendungsteil-Typ B / BF / CF getrennt behandelt 222
Phasenlage umkehrbar (Phase rev.) 112
DC-Ableitstrommessung 98
AC-Ableitstrommessung 98
Echteffektivwert (TRMS) 96
Schutzleiter auftrennbar (PE offen) 85
Netzleiter auftrennbar (Netzl. offen) 83
Funktionserde auflegbar (FE geerdet) 56
Interne Stromquelle zuschaltbar 45
Drehstrommessung (über Adapter) 29
Sichtprüfungs-Checklisten 20
Netzspannung auf das Anwendungsteil (U-Netz am ATeil) 19
Signal-Ein-/Ausgang 12
Elektrode gegen Elektrode 11
Anwendungsteil geerdet 8

Wichtigste Erkenntnis: AC, DC und TRMS werden als getrennte Messungen geführt (je ~98 Schritte). Das Gerät hat also drei unterschiedliche Messpfade für Ableitströme, nicht einen mit umschaltbarer Auswertung.

3.2 Hardwarevarianten — relevant fürs eigene Gerät

Das Datenblatt der Prüfspitze TP1010 nennt eine Bedingung, die belegt, dass es verschiedene Hardwarestände gibt:

„Für das Messen mit der Prüfspitze TP1010 muss das Unimet1000/1100ST mit der Betriebssoftware Version 4.20 oder einer aktuelleren ausgestattet sein. Außerdem muss die Hardware des Unimet1000/1100ST für das Messen von AC- und DC-Ableitströmen ausgelegt sein.”

Nicht jedes UNIMET 1000ST kann also DC-Ableitströme messen. Beim eigenen Gerät sind daher zu prüfen: Softwareversion (:IDNF? über RS232) und Hardwareversion (:IDNH?).

3.3 Zubehör, das den Messumfang erweitert

Teil Funktion Unterlage
PK3 Prüfkit mit Adaptern zum Anschluss elektromedizinischer Geräte docs/zubehoer/PK3_BP_deen.pdf
TP1010 Prüfspitze für Labor-/Messgeräte nach IEC 61010-1 docs/zubehoer/TP1010_BP_deen.pdf
DS601 Drehstromadapter (im PK3-Datenblatt genannt) —
TB3 Anschlussadapter; die Prüfschritte weisen den Bediener an, Brücken zu stecken (10a -> b, 10d -> e, 10h -> i) und fordern U(N-PE) < 100 mV nicht auffindbar
TM1000 Tastaturmodul im Gehäusedeckel Bedienungshandbuch

3.4 Weitere Funde aus der Prüfschrittdatenbank

3.5 Anbindung des Messteils — am Gerät festgestellt

Befund am geöffneten Gerät: Vom CPU-Modul führt ein 14-poliges Flachbandkabel zur Relaisplatine, und diese trägt ihrerseits ein Bussystem mit Steckplätzen für weitere Karten.

Damit ist die Frage geklärt, und die frühere Vermutung in 3.5 („Messbaugruppe als PC/104-Karte im Stapel”) ist überholt. Die Messseite hängt nicht am PC/104-Bus, sondern an einer eigenen schmalen Verbindung.

Bei 14 Adern plausibel:

Unterscheidbar an den Bausteinen nahe dem Stecker auf der Relaisplatine: Latches/Puffer (74HCTxxx, 8255) sprechen für den Parallelbus, ein UART oder Schieberegister für den seriellen Link.

Topologie — bestätigt 2026-07-31

CPU-Modul ──14-polig──> Relaisplatine ──Flachband──> RS-485 (Rückwand)
                             │
                             └── Bussystem mit Steckplätzen für Messkarten

Die RS-485-Schnittstelle kommt nicht vom CPU-Modul, sondern von der Relaisplatine. Sie hängt also am selben Strang wie das Messteil.

Damit ist die frühere Hypothese belegt (siehe 3.6, „RS-485-Port”): Das Messteil wird über einen RS-485-Bus angesprochen, und der Serviceport an der Rückwand führt genau diesen Bus nach außen. Der Rückseitenaufkleber „Datensichtgerät für RS 485 Schnittstelle — Bender SCPI Protokoll” passt exakt dazu.

Folge für den 14-poligen Strang: Er ist damit sehr wahrscheinlich ein serieller Link (TX, RX, Richtungsumschaltung, Versorgung) und kein Parallelbus. Vierzehn Adern reichen dafür bequem. Für einen Mitschnitt genügt ein serieller Sniffer statt eines 14-Kanal-Analyzers.

🔑 Architektur vollständig — durchgeklingelt 2026-07-31

Bausteine auf der Relaisplatine (Foto bilder/20260731_075340.jpg):

Baustein Anzahl Funktion
PCF8574P 2 I²C-8-Bit-Portexpander
ULN2003A 3 Darlington-Treiber → Relais
74HCT14N 3 Schmitt-Trigger
LTC485 1 RS-485-Transceiver

Versorgungsnetze auf der Platine: +12V, +5V, VCCD, GNDA, GNDD, -12V — analoge und digitale Masse getrennt geführt.

Belegung des 14-poligen Steckers (Header-Pin → F8680-Pin):

Header F8680 Signal Funktion
1 — VCC Versorgung
2 — GND Masse
3 144? GRA8? unplausibel, Zählung prüfen — erwartet PS1…PS4 (151–154)
4 159 KBDATA I²C SDA
5 160 KBCLK I²C SCL
6 117 RESET Chip Reset
7 155 PWRUP Power Up
10 106 Rx UART Empfang
11 107 Tx UART Senden
13 108 RTS* Richtungsumschaltung RS-485
14 89 GND Masse

Noch offen: Header-Pin 8, 9, 12.

Die Architektur

F8680 ─┬─ KBCLK/KBDATA ──► I²C ──► PCF8574 ──► ULN2003 ──► Relais
       │                                    (Schaltmatrix, lokal)
       │
       └─ Rx/Tx/RTS ──────► LTC485 ──► RS-485-Bus
                                        ├──► Backplane / Messkarten
                                        └──► Rückwand (Service-Port)

Zwei getrennte Steuerwege:

Messwerte kommen über RS-485 zurück, nicht über I²C.

Der Rückwand-Serviceport ist derselbe RS-485-Bus. Der Aufkleber „Datensichtgerät für RS 485 Schnittstelle — Bender SCPI Protokoll” beschreibt also exakt den Messbus. Damit ist die Idee, das Messteil direkt vom PC aus anzusprechen, keine Spekulation mehr — die Messkarten hängen an einem Bus, der an der Rückwand anliegt, mit einem Protokoll, von dem wir 493 Befehle dokumentiert haben (RS232_PROTOKOLL.md).

RESET und PWRUP auf demselben Stecker passen ins Bild: Die Relaisplatine ist die Basis des Systems — das Schaltnetzteil speist sie, sie versorgt das CPU-Modul über den Vierpoler und kann es zurücksetzen.

Vorgeschichte: Takt-/Daten-Paar

KBCLK (F8680 Pin 160) und KBDATA (Pin 159) gehen beide zur Relaisplatine. Bender hat die XT-Tastaturschnittstelle des F8680 zweckentfremdet und benutzt sie als synchronen seriellen Link zum Messteil. Beide Pins sind im Datenblatt als I/O geführt, also frei ansteuerbar.

Folgen:

  1. Der serielle Tastaturweg ist damit belegt. Eine XT-Tastatur lässt sich nicht anschließen, ohne der Messkommunikation dazwischenzufunken. Für den BIOS-Zugang bleibt nur die Matrix am 26-poligen Stecker.
  2. Fürs Reverse Engineering ist es ein Glücksfall: Der gesamte Verkehr zwischen Rechner und Messteil läuft über zwei Leitungen. Zwei Kanäle mitschneiden statt vierzehn, kein Busdecoding nötig.

Vermutung, noch zu prüfen: Möglicherweise wurde nicht nur das Pinpaar, sondern das XT-Tastaturprotokoll selbst übernommen — 9 Bit pro Frame, ein Startbit, LSB zuerst, Takt von der Gegenseite. Der F8680 hat den Empfänger dafür in Hardware; Antworten der Relaisplatine landeten dann ohne Bitfummelei im Tastaturpuffer. Das würde erklären, warum ausgerechnet diese Pins gewählt wurden. Der erste Mitschnitt entscheidet es.

Chance: Messteil direkt ansprechen

Wenn die Messbaugruppen über RS-485 mit SCPI angesprochen werden und dieser Bus an der Rückwand anliegt, lässt sich das Messteil von einem PC aus direkt ansteuern — möglicherweise ohne bootendes CPU-Modul.

Startpunkt für Versuche: 9600 7E2 (wie für die RS-232 dokumentiert), DC3 zum Aktivieren des Remote-Betriebs, dann Befehle aus research/RS232_PROTOKOLL.md. Ob dort dasselbe USP läuft oder ein eigener Servicebefehlssatz, ist offen — der Aufkleber nennt SCPI, und das dokumentierte USP ist SCPI.

Benötigt: RS-485-Adapter.

Status: Relaisplatine noch unbekannt

Die Relaisplatine ist vollständig eingebaut und bisher nicht untersucht. Alles darüber ist aus der Verkabelung erschlossen, nicht am Bauteil geprüft. Offen bleibt:

Konsequenz fürs Reverse Engineering

Dieser 14-polige Strang ist der ideale Messpunkt — deutlich besser als der PC/104-Bus. Er trägt ausschließlich den Verkehr zwischen Rechner und Messteil und lässt sich mit einem 16-Kanal-Logic-Analyzer vollständig erfassen statt nur ausschnittsweise. Jeder ausgeführte Prüfschritt läuft hier durch.

Zusammen mit der vollständigen Prüfschrittliste (RS232_PROTOKOLL.md, 427 Schaltzustände) und dem SCPI-Befehlssatz zum gezielten Auslösen ergibt das eine ungewöhnlich gute Ausgangslage, um die Registerbelegung der Messhardware zu rekonstruieren.

Offene Punkte

3.6 Frühere Vermutungen zur Anbindung ⛔

Widerlegt durch die Messungen in 3.5. Bleibt zur Nachvollziehbarkeit stehen.

Ursprüngliche Überlegung

Direkt dokumentiert ist das nirgends — weder Bender noch Kontron haben ein Blockschaltbild oder eine Verdrahtungsübersicht veröffentlicht. Was folgt, ist aus den verfügbaren Schnittstellen des MOPS/386A und den beschriebenen Gerätefunktionen abgeleitet und am offenen Gerät zu verifizieren.

MOPS-Anschluss Vermutete Verwendung Belastbarkeit
X1A/X1B PC/104-Bus Mess- und Steuerbaugruppe(n) als eigene PC/104-Karte(n) hoch — der einzige Weg mit genügend Adressraum und Bandbreite für Relaismatrix + A/D-Wandlung
X11 Tastaturmatrix (26 pol.) Fronttasten F1…F6, Info, Enter hoch — klassische Matrixtastatur, genau wofür der Anschluss da ist
X7 LPT externe Centronics-Druckerschnittstelle hoch
X10 COM A externe RS-232 (galvanisch getrennt) mittel
COM B RS-485 („für den BENTRON-Service”) mittel
X8 DOT-Matrix-LCD vermutlich ungenutzt — die Anzeige läuft über die separate VGA-Karte mittel
X5 IDE offen — evtl. der PCMCIA-Slot, evtl. frei ungeklärt
X12 Ethernet vermutlich unbestückt niedrig

⚠️ Dokumentationslücke 1000ST vs. 1100ST

Das Handbuch TGH1256/03.2007 heißt zwar „UNIMET 1000ST und 1100ST”, die beschreibenden Kapitel sind aber durchgehend 1100ST-zentriert: Kapitel 3.4 beginnt mit „Mit dem Prüfsystem UNIMET 1100ST wird folgendes Zubehör geliefert”, die Frontansicht in 3.5 zeigt TFT-Farbdisplay und USB. Das 1000ST wird nur in verstreuten Randbemerkungen abgegrenzt („UNIMET 1000ST älterer Bauart haben eine PCMCIA-Karte…”).

Folge: Weder der Lieferumfang noch die Schnittstellenbestückung des 1000ST sind aus diesem Handbuch belastbar ableitbar. Konkret unklar:

Am Gerät zu klären, nicht aus dem Handbuch.

Die praktisch wichtige Unbekannte: der PCMCIA-Slot

Wie die „Memory Card” angebunden ist, wissen wir nicht. Drei Möglichkeiten:

  1. PCMCIA-ATA am IDE-Bus (X5) — dann ist X5 bereits belegt, und die Backup-Strategie „CF-Karte an X5” braucht einen Plan B (Master/Slave oder temporäres Umstecken).
  2. Eigener PC/104-PCMCIA-Controller im Stapel.
  3. Proprietäre Anbindung über die Bender-Baugruppe.

Vor dem Backup zu klären — siehe research/EINGANGSPRUEFUNG.md, Phase 4.

RS-485-Port: Aufkleber auf der Geräterückseite

Auf der Rückseite des erworbenen Geräts klebt ein gedrucktes Schild:

Datensichtgerät für RS 485 Schnittstelle — Bender SCPI Protokoll

Das ist der bisher einzige Hinweis darauf, was auf dem Serviceport gesprochen wird. SCPI (Standard Commands for Programmable Instruments) ist genau die Syntaxfamilie, der auch das dokumentierte USP auf RS-232 folgt: hierarchischer Doppelpunktpfad, ? für Abfragen, ; zum Verketten, Großbuchstaben-Kurzformen (ATTRibut? → :ATTR?).

Folge: Der RS-485-Port ist womöglich nicht so verschlossen wie gedacht — plausibel ist dieselbe Befehlsfamilie, nur auf anderem physikalischem Layer. Das wäre mit einem RS-485-Adapter ausprobierbar.

Vorbehalt zur Herkunft des Aufklebers: „Datensichtgerät” beschreibt kein Prüfgerät — der Begriff passt eher zu einem Anzeigegerät an einem Bender-Bus. Möglich, dass das Schild von anderer Stelle stammt.

Nachtrag 2026-07-31 — Hypothese bestätigt. Die RS-485 wird von der Relaisplatine zur Rückwand geführt, nicht vom CPU-Modul. Der Serviceport hängt also tatsächlich am Bus des Messteils. Siehe Abschnitt 3.4a, „Topologie”.

Nebenbefund: TB3 ist eine Testbox, kein bloßer Adapter

Im Bedienungshandbuch (4.5.5) gibt es einen Systemselbsttest in zwei Stufen:

Der interne Selbsttest ist damit die erste sinnvolle Funktionsprüfung, sobald das Gerät bootet — er braucht kein Zubehör und markiert nicht bestandene Prüfschritte mit *.

4. Die eigentliche Bauanleitung sind die Normen

Die Messanordnungen selbst stammen nicht von Bender, sondern aus:

Diese Normen sind kostenpflichtig (Beuth/VDE-Verlag), aber sie sind die normative Quelle. Ein Nachbau ohne sie ist sinnlos, weil die Messnetzwerke und Grenzwerte genau dort stehen.

5. Einschätzung Eigenbau

Realistisch nachbaubar:

Der harte Teil:

Rechtlicher Rahmen: Für gewerbliche sicherheitstechnische Kontrollen nach MPBetreibV muss das Prüfmittel geeignet und kalibriert sein. Ein Eigenbau erfüllt das nicht. Für Lernzwecke, Eigenbedarf an nichtmedizinischen Geräten oder als Ergänzung ist er dagegen völlig legitim.

Fazit: Der Nachbau ist als Projekt reizvoll und die Spezifikation ist vollständig dokumentiert — aber das Original zu reparieren ist um Größenordnungen billiger und liefert ein kalibrierbares Gerät.

6. Hinweis zur Textextraktion

Die Abkürzungstabelle in Kapitel 9.1.4 des Bedienungshandbuchs ist im pdftotext-Auszug spaltenverschoben — dort stehen Kürzel und Erklärungen gegeneinander versetzt. Nicht aus research/text/ zitieren, sondern im Original-PDF nachsehen.