Bender UNIMET 1000 ST — teardown & reverse engineering

Repair and reverse-engineering notes for the Bender UNIMET 1000 ST / 1100 ST medical electrical safety tester (IEC 62353, VDE 0751): BIOS dump, RS-232 command set, I2C relay matrix, F8680 PC/CHIP connector pinouts.

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Checkliste zur Erstinbetriebnahme

Entstanden, bevor das Gerät eintraf. Die Reihenfolge folgt dem Grundsatz, dass jeder Schritt Information sichert, die ein späterer zerstören könnte.

Teilweise überholt. Die Diagnose stützte sich damals auf die Annahme eines Kontron MOPS/386A — tatsächlich sitzt im Gerät ein Chips & Technologies F8680. Die BIOS-Angaben in Phase 5 gelten deshalb nicht; die zutreffenden stehen in EPROM_ANALYSE.md. Was das Gerät tatsächlich ist, steht in STAND.md.

Weiterhin brauchbar ist das Vorgehen als solches: Reihenfolge, Sicherheitshinweise, Dokumentationsschritte und die Phasen 0 bis 4. Wer ein vergleichbares Altgerät vor sich hat, kann sich daran entlanghangeln.

⚠️ Sicherheit. Das Gerät führt Netzspannung auf die Prüfsteckdose, erzeugt DC 500 V für die Isolationsmessung und schaltet Netzspannung auf Anwendungsteil-Prüfkreise. Vor jedem Öffnen: Netzstecker ziehen und einige Minuten warten (Zwischenkreis-/Siebelkos). Nicht am geöffneten Gerät messen.


Phase 0 — noch vor der Lieferung: Fragen an den Verkäufer

Spur zum Vorbesitzer

Auf der Rückseite klebt ein Inventaraufkleber „PP3 Siersleben”. Das Gerät stammt also aus einem Betrieb oder einer Einrichtung, nicht aus Privatbesitz.

Das ist der aussichtsreichste Weg zum OS-Image nach dem eigenen Flash.

Phase 1 — dokumentieren, ohne zu öffnen

Phase 2 — erster Einschaltversuch

Noch ohne Prüfling, nichts an den Buchsen angeschlossen.

Bewertung: Läuft der POST durch und bleibt nur der Diskette error, ist die Diagnose aus BEFUNDE.md bestätigt und die Sache voraussichtlich eine reine BIOS-Einstellung.

Tastatur — erst klären, welcher Weg gilt

Das Tastaturmodul TM1000 ist keine Standardtastatur: Kurzhub-/Folienlayout mit deutschem QWERTZ, aber ohne F1–F12-Reihe, ohne Esc und ohne Ziffernblock; die oberste Reihe dupliziert die Gerätefunktionstasten der Frontblende. Es wird in den Gehäusedeckel geklemmt und per Rundstecker an die Tastaturbuchse am Gerät angeschlossen (Handbuch 4.2.2).

Offen ist, worauf diese Buchse führt — das MOPS hat beide Möglichkeiten:

  Hinweis darauf Konsequenz
X4 (AT/PS-2) Buchse hat 5 oder 6 Pins Jede PS/2-Tastatur funktioniert dort. BIOS-Zugang ohne Öffnen.
X11 (Tastaturmatrix, 26 pol.) Buchse hat deutlich mehr Pins, dickes vieladriges Kabel Keine Standardtastatur an dieser Buchse. BIOS-Zugang nur über PS/2 intern an X4, also mit Öffnen.

Für X11 spricht, dass Kontron eigens eine Matrix-Schnittstelle, eine Matrix-Keyboard-BIOS-Extension und das Werkzeug P389MTX zum Programmieren der Dekodiertabelle anbietet — gemacht für genau solche kundenspezifischen Folientastaturen.

Wahrscheinlichste Aufteilung: Fronttasten auf X11 (8 Tasten, intern, kurzes Flachband), TM1000 auf X4 (ca. 60 Tasten über steckbares Außenkabel — als Matrix bräuchte das 26 Adern, als AT-Tastatur vier). Die Matrix-BIOS-Extension übersetzt Matrixanschläge in normale Scancodes und legt sie in denselben BIOS-Tastaturpuffer; für DOS sind beide dann eine Tastatur.

Vorzubereiten: gebrauchte PS/2-Tastatur plus PS/2→AT-Adapter. Wird in beiden Fällen gebraucht — im Matrix-Fall intern an X4. USB funktioniert nicht: kein USB am Board, kein USB-Legacy im 386er-BIOS.

Phase 3 — öffnen und begutachten

Worauf achten:

Phase 4 — Board identifizieren, Steckverbinder abgleichen

Stecker Funktion Raster / Pins
X1A / X1B PC/104-Bus (XT- bzw. AT-Teil) 2,54 mm, 64 / 40 pol.
X1C Power Connector 2,54 mm
X4 Tastatur & Feature — hier liegt auch die Batterie 2,54 mm, 10 pol.
X5 IDE (für das Backup!) 2 mm, 44 pol.
X6 Floppy 2,54 mm, 26 pol.
X7 Parallel / LPT 2 mm, 16 pol.
X8 DOT-Matrix-LCD 2,54 mm, 10 pol.
X9 PS/2-Maus (nicht auf Standardboards) 2 mm, 8 pol.
X10 Serielle Schnittstelle COM A 2,54 mm, 10 pol.
X11 Tastaturmatrix 2 mm, 26 pol.
X12 Ethernet 8 pol.

X4 Pinbelegung (für Tastatur und Batterie):

Pin Signal Funktion 5-pol. DIN 6-pol. MiniDIN (PS/2)
1 Speaker Lautsprecher    
2 GND Masse    
3 /RESIN Reset-Eingang    
4 /KBLOCK Tastatursperre    
5 KBDAT Tastaturdaten 2 1
6 KBCLK Tastaturtakt 1 5
7 GND Masse 4 3
8 VCC +5 V 5 4
9 BATT Batterie ein (3,6 V)    
10 PWRGOOD Powergood    

Vorrangig: die Anschlussleiste

Auf Verkaufsfotos sind zwei der vier Positionen leer — oben der Centronics und unten ein Sub-D-9. Zwei Positionen sind noch bestückt. Zu klären:

Falls die RS-232 fehlt, gibt es zwei Wege: COM A intern an X10 des MOPS herausführen (Kontron-Adapterkabel KAB-DSUB9-2, 2,54 mm 10-polig) — für Backup und BIOS-Arbeit ohne angeschlossenen Prüfling unbedenklich, für den Messbetrieb fehlt dann aber die galvanische Trennung. Oder über die RS-485 gehen; der Rückseitenaufkleber nennt dort das Bender-SCPI-Protokoll, also vermutlich dieselbe Befehlsfamilie (siehe MESSTECHNIK.md 3.6).

Verdrahtung aufnehmen — welcher Anschluss geht wohin?

Das ist nirgends dokumentiert (siehe MESSTECHNIK.md 3.6). Beim offenen Gerät lässt es sich aber ablesen und ist die Grundlage für alles Weitere:

Phase 5 — BIOS-Setup

F2 beim Boot. Zielkonfiguration:

Menü Einstellung Wert
Main → JUMPtec Flash Disk INT 13h Drive Mapping Drive 80 (= C:)
Main → JUMPtec Flash Disk Erase On Next Boot Disabled ⚠️ prüfen!
Main → JUMPtec Flash Disk Write Protect Disabled (bis das Backup steht)
Main Legacy Diskette A / B Not installed (kein Laufwerk vorhanden)
Boot Boot sequence C: then A:
Advanced → I/O Device Config Hard disk controller Enabled
Advanced Large Disk Access Mode DOS
Advanced Halt On Errors No
Main System Date / Time nach Batteriewechsel neu stellen

Phase 6 — Backup, bevor irgendetwas anderes passiert

Details und Hintergründe in research/BEFUNDE.md.

Tabu

Danach: erste Funktionsprüfung ohne Zubehör

Sobald UNIMET.EXE startet, gibt es einen eingebauten Selbsttest — er braucht kein Zubehör und ist der schnellste Weg zu wissen, ob das Messteil lebt:

Hauptmenü → F5 Systemverwaltung → F4 System Info → F1 Systemselbsttest → F1 intern

Voraussetzungen laut Handbuch:

Der erweiterte Selbsttest setzt die Testbox TB3 voraus, die wir nicht haben.

Danach: Gerätestand feststellen

Am schnellsten direkt am Bildschirm — keine Schnittstelle nötig:

Hauptmenü → F5 Systemverwaltung → F4 System Info

Diese Maske zeigt Software-, Firmware- und Hardwareversion sowie den Typ des verbauten PC-Moduls. Beim 1100ST steht dort z. B. PC: ETX-PM 246MB; bei deinem 1000ST muss dort das PC/104-Board erscheinen. Damit ist die Plattform belegt, ohne das Gerät zu öffnen.

Alternativ über RS232 (9600 7E2, Nullmodem, DC3 senden):

Damit klärt sich unter anderem, ob dein Gerät DC-Ableitströme messen kann — siehe research/MESSTECHNIK.md, Abschnitt 3.2. Befehlsreferenz in research/RS232_PROTOKOLL.md.